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Informationsblätter

Bandscheibenvorfall (BSV) an der Lendenwirbelsäule (LWS)

Bandscheibenvorfälle an der Lendenwirbelsäule  (LWS) sind im Vergleich zu Vorfällen an der Hals- und Brustwirbelsäule deutlich häufiger.

Die LWS besteht aus 5 Wirbeln (L1 bis L5), als Normvarianten kommen auch 6 oder nur 4 Wirbel vor (besagte Normvarianten sind angeboren und in aller Regel völlig harmlos)

Über 80% der LWS-Bandscheibenvorfälle sind zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/5) und zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem S1 Wirbel  (L5/s1) lokalisiert (also in den unteren beiden Segmenten). Vorfälle in den darüber liegenden Segmenten sind nicht so häufig, können aber durchaus vorkommen.

Rechts und links eines Segmentes (z.B. L4/5) treten die Nervenwurzeln (lat. Radix) durch das „Nervenwurzel-Durchtrittsloch“ (sog. Neuroforamen) aus dem Rückenmarkskanal aus.

Ein Bandscheibenvorfall kann im Rückenmarkskanal die Nervenstrukturen bedrängen (reizen) oder sogar quetschen (komprimieren).

Liegt er unter dem intakten Längsband (ein kräftiges Band aus festen Kollagen-Fasern) spricht man von einem „subligamentär sequestriertem“ Vorfall. 

Ist das Längsband durchbrochen und der Bandscheibenvorfall frei im Rückenmarkskanal lokalisiert (Spinalkanal) wird er als „frei sequestrierter“ Vorfall bezeichnet.

Ein Bandscheibenvorfall kann nach oben (kopfwärts) oder nach unten (fußwärts) umschlagen (nach cranial oder caudal sequestrierter Vorfall).

Liegt der Vorfall in der Mitte so bezeichnet man ihn als  „medialen Vorfall“.

Weicht der Vorfall mehr oder minder stark von der Mitte nach rechts oder links aus, wird er als rechts (oder links) „medio-lateraler“ Bandscheibenvorfall bezeichnet.

Liegt der Bandscheibenvorfall überwiegend im Neuroforamen wird er als „foraminaler“ Vorfall bezeichnet. Ist er zum Teil im Neuroforamen und zum Teil außerhalb des Neuroforamens lokalisiert spricht man von einem „intra-extra-foraminalem“ Bandscheibenvorfall.

Liegt der BSV seitlich wird er als „lateraler“ Vorfall bezeichnet.

In vielen Fällen verursacht ein Bandscheibenvorfall Rückenschmerzen. Eine Affektion oder Quetschung (Kompression) einer Nervenwurzel führt zu einem „Rücken-Bein-Schmerz“, zu einer sog. Ischialgie.

Je nachdem wo der Beinschmerz lokalisiert ist ergeben sich bei der klinischen Untersuchung  Hinweise darauf, welche Nervenwurzel betroffen (alteriert) ist. So führt z. B. eine Quetschung der L5 Nervenwurzel zu einem Rücken-Bein-Schmerz, welcher vom Oberschenkel in den Füßrücken und zur Großzehenregion ausstrahlt.

Bei einer Wurzelkompression kann es zu Kribbel- und Taubheitsgefühlen (Hypästhesie), Gefühlsstörungen (Dysästhesie) oder sogar zu einem Auffall (Anästhesie) kommen. Lähmungen von Gesäß-, Ober- und Unterschenkelmuskeln und Fußmuskeln sind ebenfalls nicht selten. Auch hier ergeben sich, je nachdem welche Muskelgruppen betroffen sind, bei der klinischen Untersuchung Hinweise auf die betroffene Nervenwurzel.

Verursacht ein BSV Rückenschmerzen und Beinschmerzen, ev. einhergehend mit einer leichten Gefühlsstörung, wird man zunächst die Behandlung mit Krankengymnastik, Physiotherapie und schmerzstillenden und abschwellenden Medikamenten einleiten und fortsetzen (sog. konservative Therapie).

Bei (schweren) Lähmungen ist die Indikation zur operativen Entfernung des Bandscheibenvorfalls gegeben. Man rät auch zur OP bei erfolgloser nicht-operativer konservativer Behandlung.

Eine Lähmung der Schließmuskeln mit entsprechender Unfähigkeit der Kontrolle von Blase und Enddarm (mit Inkontinenz für Urin und/oder Stuhl) bei nachgewiesenem Bandscheibenvorfall ist ein dramatisches Krankheitsbild, welches innerhalb kürzester Zeit operiert werden muss.

Die Entscheidung zur oder gegen eine OP muss natürlich individuell unter Berücksichtigung der medizinischen Gesamtsituation getroffen werden (Vorerkrankungen, Dauermedikation, Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten etc).

Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls wird bildgebend im CT (Computertomographie) oder im MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie, „Kernspin“) gestellt.

Ist eine OP indiziert und die Entscheidung zur OP gefallen erfolgt die stationäre Aufnahme in der Chirurgischen Innenstadtklinik.

Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Die OP-Zeit beträgt ca. 40-60 min (Abweichungen sind möglich, z.B. bei erschwerten OP-Bedingungen, deutlichem Übergewicht etc.)

In der Regel können die Patienten wenige Stunden nach der OP unter krankengymnastischer Anleitung aufstehen. Nach der Operation werden noch schmerzstillende und abschwellende Medikamente verordnet. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. 3-4 Tage. Die Entfernung des Nahtmaterials der Oberhaut (Hautklammern oder Fäden) erfolgt meist am 8.-10. Nachoperativen Tag.

Die konsequente postoperative krankengymnastische/physiotherapeutische Nachbehandlung ist fundamental wichtig. Diese kann ambulant oder teilstationär /stationär im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung („REHA“) erfolgen. Die Organisation der Nachbehandlung erfolgt durch die Chirurgische Innenstadtklinik.

Lendenbadscheibenvorfall Seit- und Draufsicht